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Der Kampf der Basketballer um die Deutschschweiz

Der Schweizer Basketball lebt in der Romandie und im Tessin. Will der Sport sein Nischendasein beenden, muss er den Röstigraben überwinden.

Florian Raz, Tages Anzeiger

Daniel Rasljic ist ein Berg von Mann. Doch jetzt wirkt er fast klein, wie er da ganz in sich versunken und einsam auf seinem Trainerstuhl sitzt. Eine Minute, zwei. Dann erhebt sich der Trainer des Basketballclubs Winterthur, steckt die Hände in die Hosentaschen und schreitet langsam in die Garderobe.

Rasljic kennt das Gefühl. Winterthur hat verloren. Wie jedes seiner bislang 16 Spiele seit dem Aufstieg in die Nationalliga A auf diese Saison hin. Neu ist nur, dass es dieses Mal richtig knapp war. Acht Sekunden vor Schluss ist der historische erste Sieg in der höchsten Spielklasse zum Greifen nah. Dann der Fehlpass, ein Zufallskorb der Gäste aus Massagno, 78:80, Schlusssirene, Frust.

Die Winterthurer bezahlen in dieser Saison Lehrgeld. Auf dem Court, mit Spielen, die auch schon mit 40 und mehr Punkten Differenz verloren gingen. Und daneben, wo der Schritt von der zweithöchsten in die höchste Liga mindestens so gross ist wie auf dem Feld.

Auf den Spuren des Geldes

Und doch ruhen grosse Hoffnungen auf dem Club aus Winterthur. Der Basketball lebt in der lateinischen Schweiz, vor allem in der Romandie, wo Genf, Neuenburg oder Freiburg 1000 Zuschauer und mehr anziehen. In der Deutschschweiz aber fristet Basketball ein Nischendasein. Warum, weiss Gabriel Gisler auch nicht: «Das ist kulturell gewachsen.»

Was der Ligapräsident aber sehr wohl weiss, ist, dass die Süd- und Westschweiz nicht reichen, um den Sport in der nationalen Sportlandschaft zu verankern: «Das ökonomische Zentrum der Schweiz liegt eher in der Region Zürich als in Lausanne. Und solange wir in den Deutschschweizer Medien nicht vorkommen, fehlt uns die nötige Präsenz.»

Also bemüht sich der Basketball, endlich den Sprung über den Röstigraben zu schaffen. Der Cupfinal wird erstmals in Zürich stattfinden. Und noch wichtiger: Auf diese Saison hin wurde die NLA von acht auf zehn Teams aufgestockt. Profiteur ist neben Winterthur mit Swiss Central Basket ein zweiter Aufsteiger aus der deutschsprachigen Schweiz. Dank den beiden sieht die Nationalliga erstmals wirklich wie eine nationale Liga aus: fünf Romands, drei Deutschschweizer, zwei Tessiner.

Eine Genfersee-Meisterschaft

«Früher war es eher eine Genfersee-Meisterschaft mit Tessiner Vertretern», sagt Pascal Donati, «heute kommt noch die Hälfte der Teams aus der Romandie, und das ist gut für den Sport.» Als treibende Kraft der Starwings beider Basel hielt Donati in den letzten zehn Jahren das Fähnlein der deutschen Schweiz aufrecht. Ausser den Starwings konnte sich kein Deutschschweizer Club etablieren. 2011 verabschiedete sich mit den Wildcats der letzte Zürcher Vertreter aus der NLA; nach einer Saison mit zwei Punkten.

Doch dass jetzt erstmals drei Deutschschweizer in der NLA mit dabei sind, reicht nicht, um dem Basketball Schub zu verleihen. Sportlich können bloss die Starwings mit dem hinteren Mittelfeld der Liga mithalten. Die zwei Aufsteiger sind abgeschlagen am Tabellenende. Von den vier Punkten, die Swiss Central auf dem Konto hat, stammen zwei vom Sieg gegen Winterthur.

In der Zuschauertabelle belegen die Deutschschweizer geschlossen die letzten drei Ränge. In Winterthur sind an diesem Sonntag rund 100 Zuschauer gekommen, um das Spiel gegen Massagno zu sehen. Der Schnitt liegt bei 200. Rasljic, der die Winterthurer in sieben Jahren von der 3. Liga in die NLA geführt hat, stellt fest, «dass teilweise weniger Leute kommen als vor dem Aufstieg». Die Niederlagen zehren nicht nur am Nervenkostüm des US-Profis Jerrell Williams, der das Pressegespräch nach dem 78:80 mit den Worten beendet: «Ich bin so angepisst!»

Dass die Winterthurer in dieser Saison auch mit den Frauen in der höchsten Liga spielen, macht ihre Aufgabe nicht einfacher. Der Club stösst an seine Grenzen. Gesucht sind Menschen, die bei der Organisation helfen wollen und auch können. Sandra Hofstetter ist Präsidentin des BCW. Und Last-Minute-Organisatorin von Trinkbechern. Und Videofilmerin. Und lautester Fan. Wer sie rund um eine Partie erlebt, glaubt sofort, wenn sie sagt: «Man kennt zwar das Pflichtenheft. Aber was das alles bedeutet, merkst du erst während der Saison.»

Die Tabelle folgt dem Budget

Das Brutale am Basketball: Weil so viele Punkte erzielt werden, spielt der Zufall kaum eine Rolle. Die Regeln verhindern, dass sich schwächere Teams wie im Fussball in der Defensive verstecken können. So folgt die Tabelle dem Geld: oben Genf, das mit einem Budget von 1,5 Millionen Franken arbeitet, in der Mitte die Starwings mit 450’000 Franken. Und unten Winterthur, das bloss 180’000 für sein Männerteam ausgibt.

Diese Lücke müssen die Deutschschweizer selber schliessen, wollen sie ihren Sport dereinst in ihrer Region richtig populär machen. Die einzige Unterstützung, die ihnen die Liga geben konnte, ist der Verzicht, in diesem Jahr einen Absteiger zu ermitteln. Swiss Central und Winterthur haben also eine Saison lang Zeit, sich an die dünnere Luft in der NLA zu gewöhnen. Danach müssen sie sich irgendwie durchschlagen.

Ligapräsident Gisler nimmt das Bild einer Ampel, wenn er über die Deutschschweizer Clubs spricht. Bei den Starwings steht sie auf Grün, bei Swiss Central springt sie von Orange auf Grün. Und bei Winterthur? «Orange. Sie müssen etwas tun, damit sie im nächsten Jahr sportlichen Erfolg und bessere Strukturen haben. Sonst wird es schwierig.»

Quelle: Der Kampf der Basketballer um die Deutschweiz, von Florian Raz, Tages Anzeiger

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