Auch in Bestbesetzung wären die Starwings gegen „Les Lions de Genève“ Aussenseiter. Doch weil beim Deutschschweizer Aushängeschild gleich beide Profispieler ausfielen, war der Vergleich mit dem Titel-Mitfavoriten bereits vor Anpfiff entschieden. Die 57:86 (27:44)-Niederlage spricht eher für den Verlierer als für den Gewinner.
Die Starwings haben nur zwei Profi-Basketballer in ihren Reihen. Alle anderen Klubs spielen mit einem Quartett oder Quintett. Einige unterhalten, ob aus Spass oder Luxus sei offen gelassen, sogar Sextett. Doch wenn beide Berufsspieler ausfallen, so steht auf dem Parkett eine Mannschaft, die das Rad des Schweizer Basketballes um 40 Jahre zurückgedreht hat. In eine Zeit, wo man noch in Turnhosen und werbefreien Leibchen Basket spielte. Gespielt wurde in Turnhallen. Ältere Semester werden sich an die legendäre Rheinparkhalle (CVJM Birsfelden) oder Gymnasium Münchenstein (Uni Basel) erinnern.
Brandon Jenkins (USA) ist seit längerer Zeit verletzt. Und wird es weiterhin bleiben. Jaraun Burrows, der fliegende Mann von den Bahamas, konnte wegen einer Grippe nicht spielen. Auch Miroslav Petkovic war vergrippt, doch rang sich der Zürcher durch, seinen Mann zu stellen. Also stand Routinier Tony McCrory (35), der Englischlehrer, zusammen mit Schweizer Elitespielern einer Armada von Ausländern gegenüber. Denn in Genf gilt, seitdem der Honig von den Bäumen zu fliessen scheint: Kein Ausfall, der nicht besser kompensiert wird. Selbst wenn ein Junior ausfällt, wird ein Hochkaräter eingeflogen. Und die Genfer Löwen können aufführen, dass sie auf Julew Aw, ein „Basket-Schweizer“ aus Nigeria und den Senegalesen Babacar Toure verzichten mussten. Dennoch konnten es sich die Genfer erlauben, Tony Brown, der Captain der Starwings der zwei letzten Spielzeiten, als 6. Mann zu bringen.
Die ersten Körbe erzielten die Starwings, wobei Rückkehrer Reto Schwaiger mit einem Dreipunktewurf dem Publikum den ersten Szenen-Applaus abrang. Danach setzten sich die Genfer durch. Nicht, weil sie Weltklasse-Basketballer sind. Sie setzten sich durch, weil sie vor allem unter den Körben eine eklatante Überlegenheit ausspielen konnten. Denn eines wurde in diesem gar ungleichen Vergleich klar: Ohne ausländische(n) Center ist man in der Nationalliga A chancenlos. Selbst wenn der Kleinbasler Niels Matter und der Aargauer Roman Albrecht viel Einsatzwillen zeigten. Der Substanz-Unterschied zu Profispielern, welche zumindest eine Basisausbildung genossen haben, ist frappant. Der Gast kam zu zweiten, dritten und vierten Bällen. Die Gäste spielten schneller und auf einer höheren Etage als die „einheimischen Jungs“. Würden die Klubs ihren Nachwuchs fördern, vor allem aber ausbilden, würde man nicht Teams sehen, die zu 90 Prozent aus Söldnern, eingebürgerten Ausländern oder Doppelbürgern bestehen. Auch da haben Les Lions de Genève vorzügliche Arbeit geleistet.
Den Starwings ist es hoch anzurechnen, dass sie – trotz ihrer Inferiorität – nie aufgaben und ab und zu aufzeigten, dass in ihren Reihen gute nationale Akteure stehen, die bei den Landesgrössen nur das Kontingent (für das Matchblatt) auffüllen würden. Und wohl die Spielstatistik machen müssten. Dafür gibt es auch Batzelis, so dass man sich Profispieler nennen kann. Das Wort „Profi“ kann mit einem Buchstaben ergänzt auch Profit-Akteur heissen…
Die neuformierte Equipe „Les Lions de Genève“ hat zwei weitere Punkte für die Tabelle gewonnen. Ob der Schweizer Basketball gewonnen hat, dürfte die Romands momentan wenig interessierten. Die Starwings beenden die ersten 16 Runden auf Platz 6. Das ist gut, das ist sogar sehr gut. Denn das Arlesheimer-Birsfelder Kombinat kämpft mit Sackmessern gegen fünf Equipen, die ein ganzes Arsenal mobilisieren können. In der 3. Qualifikationsrunde können die Unterbaselbieter den BC Boncourt, BBC Nyon und die SAM Massagno (nebst Meister BC Lugano) zuhause empfangen. Sollten bis dann Mister Jenkins und Mister Burrows wieder ihrem angestammten Beruf nachgehen können, so sollten Erfolge gegen die anderen „Armenhäuser“ der Liga möglich sein. Man wäre also Meister der zweiten Tabellenhälfte.
Grotesk würde es erst, wenn die Genfer Löwen mit einem Schweizer Quintett, wie es die Starwings gestern während 25 Minuten getan haben, spielen müssten. Warum? Weil es in der Weltstadt Genf, wo einst vor 80 Jahren der Weltverband gegründet wurde, keine fünf Schweizer Spieler für die Nationalliga A gibt. Dafür Mäzene, die eine internationale Equipe kaufen und unterhalten können. Damit sich diese stresslos verlustieren können. Auch das ist Schweizer Basketball.
Starwings – Les Lions de Genève 57:86 (27:44)
Sporthalle Birsfelden. – 425 Zuschauer. – SR: Carlini/Sala/De Martis.
Starwings: Petkovic (12), Fuchs (7), Schwaiger (10), McCrory (6), Matter (7); Albrecht (4), Kostic (1), Güttinger (10), Stauch; Beltinger, Verga.
Les Lions de Genève: Jaunin (7), Buscaglia (13), Jukes (18), Bing (17), Barnette (11) ; Brown (10), Maruotto (7), Mafuta, Deforel (3).
Bemerkungen : Starwings ohne die beiden Profispieler Jenkins (verletzt) und Burrows (krank). – Les Lions de Genève ohne den Nigarianer Aw (der mit Schweizer Lizenz spielt) und den Senegalesen Toure (rekonvaleszent). – Viertelsresultate: 9:24, 18:20 (27:44); 17:21 (44:65) und 13:21 (57:86).














