Die Starwings bezwingen im ersten Playoff-Match den Favoriten BBC Nyon 72:70 (38:38)
Dramatik, Nervenkitzel und Spannung pur in der Birsfelder Sporthalle. Und wieder gab es für die Baselbieter, frenetisch unterstützt und bejubelt von 710 Zuschauern, ein Happy-End.
Von Georges Küng, Birsfelden
Auf den ersten Blick mag es normal sein, dass der Viertklassierte zuhause die Equipe, welche nach dem Qualifikationsprogramm auf Rang 5 lag, besiegt. Doch dies ist es beileibe nicht. Denn Nyon ist ein Verbund an hochkarätigen Profispielern, die dazu bestimmt waren, heuer, in dieser Saison 2009/10, alle drei Titel (Meisterschaft, Schweizer Cup und Ligapokal) zu holen. Dafür gibt der Waadtländer Klub, unter der präsidialen Führung von Jean-François Kurz, dem ehemaligen Präsidenten der Schweizerischen Fussball-Liga (heute Swiss Football League), gut 1,67 Millionen Franken aus.
Das führt dazu, dass Alain Thinet, der französische Trainer, welche an Weihnachten den nicht mehr erwünschten Übungsleiter Andrea Petitpierre ablöste, als siebten Mann den britischen (ex-)Nationalspieler Germayne Forbes, danach den gigantischen US-Center Michael Southall (212 Zentimeter und Arme wie ein Tintenfisch) und als „Statisten“ den Schweizer Nationalspieler Cédric Mafuta einsetzen kann. Ein Mann, der eigentlich im Nationalteam im Stammquintett figuriert, spielt beim BBC Nyon nur eine marginale Rolle. Soviel zu den Stärkeverhältnissen.
Zweimal lagen die Romands mit acht Punkten in Führung (35:27 nach 17 Minuten) und 61:53 (34.). Doch jedes Mal kamen die Starwings wieder, dank einem unbändigen Kampfwillen und aufsässig-aggressiven Verteidigung, wieder an den einstigen Meisterschaftsfavoriten heran. Mann des Spieles, aus Starwings-Sicht, war Teamcaptain Valentin Wegmann. In den ersten 20 Minuten hielt der Stadtzürcher vom Kreis 11 sein Team mit zwei Dreiern innert 70 Sekunden im Spiel; und in der Endphase bewies er von der Freiwurflinie Nervenstärke und traf alle vier Versuche.
Dies im Gegensatz zu Tony Brown und Vernard Hollins. Sie hatten nur 50 Prozent (Hollins) respektive 60 Prozent (Brown) von der Freiwurflinie; und im Falle von Hollins mussten sich die Zuschauer bis zur 23. Minute gedulden, bis der Motor und die Seele der Starwings die ersten Punkte erzielte. Dafür hatte der sonst so brillante Amerikaner nach zwölf Minuten bereits drei Fouls. Zwei der drei gestrigen Refs hatten übrigens auch den Cupfinal (hervorragend) arbitriert.
„Wir haben die letzte Woche sehr gut trainiert; doch im Spiel machte sich zeitweise eine Lethargie bemerkbar. Mit dem Kopf waren wir vielleicht schon noch ein wenig in Fribourg“, meinte Wegmann. Überhaupt war Starwings gegen Nyon auch ein Spiel der Schweizer. Zur Pause waren nämlich Maxime Jaquier und Wegmann bei den Birsfeldern sowie Miroslav Petkovic (ex-Starwings!) bei Nyon die Topskorer. Obwohl auf jeder Seite hochkarätige Ausländer aus Belgien (Julien Rahier), Litauen (Douglas Gorauskas) und den USA (Josh Almanson, Austin Johnson und Yuanta Holland) standen.
„Ich bin glücklich über den Sieg, doch wir müssen uns steigern, wenn wir als Sieger aus dieser schwierigen Serie hervorgehen wollen“, erklärte Starwings-Trainer Patrick Koller. „Wenn der letzte Ball, ein Distanzwurf von Forbes, in den Korb geht, verlieren wir mit einem Zähler und Nyon führt 1:0“, gab der alt Internationale zu bedenken. In der Tat sorgten die verschossenen Freiwürfe in der Endphase für eine unnötige Spannung.
Die Starwings haben in diesem Playoff-Viertelfinal vorgelegt. Die Zuschauer bedankten sich für das wiederholte Spektakel, das sie nun schon seit Monaten erleben dürfen, mit frenetischem Beifall. Und weil Nyon-Präsident Kurz ein Grandseigneur ist, meinte dieser: „Wir kommen am Mittwoch erneut mit der Hoffnung nach Birsfelden und versuchen, gegen das beste Kollektiv zu gewinnen“. Doch auch der Mann mit Basler Bürgerort weiss, dass ein Scheitern seiner „Star“-Truppe gegen die Starwings einem Fiasko gleichkäme. Auch wenn er die Favoritenrolle, psychologisch geschickt, dem Cupsieger zuschiebt.
Starwings – BBC Nyon 72:70 (38:38)
Sporthalle Birsfelden. – 710 Zuschauer. – SR: Musard/Clivaz/Alloï.
Starwings: Jaquier (8), Hollins (12), Brown (20), Hasquet (2), Sloan (5); Wegmann (15), Delic (8), Hett, Fuchs (2); Beltinger, Kangsen, Lüscher.
Nyon: Johnson (8), Rahier (3), Holland (17), Almanson (10), Gorauskas (11); Petkovic (9), Forbes (8), Southall (4), Mafuta; Amunugama, Paredes, Vallotton.
Bemerkungen: Starwings ohne Albrecht und McCrory (beide verletzt). – Nyon komplett. – Viertelsresultate: 20:22, 18:16 (38:38); 13:17 (51:55) und 21:15 (72:70). – Zu den besten Spielern wurden Wegmann und Almanson gewählt. – Unter den Zuschauern die Baselbieter Regierungsräte Sabine Pegoraro und Peter Zwick.
Foto von Olaf Madsen















